35 Millimeter

35 Millimeter

Das Retro Film Magazin

Allgemein

All of the posts under the "Allgemein" category.

Erster Trailer zum DIE MUMIE-Remake erschienen

Vor ein paar Wochen gab es bereits die ersten 15 Sekunden aus dem kommendem Remake von DIE MUMIE zu sehen, nun ist der komplette Trailer erschienen:https://www.youtube.com/watch?v=IjHgzkQM2Sg

Wir berichteten schon oft in den letzten Monaten über Universals Pläne, seine alten Horrorikonen wieder auf die große Leinwand zu bringen. Typisch für die heutige Zeit natürlich in einem gemeinsamen ‚cinematicuniverse‘, wo die Einzelfilme in derselben Welt spielen und sich möglicherweise auch überschneiden. Dieses Konzept adaptiert man nicht nur von aktuellen Erfolgen der Marvel Comicverfilmungen, sondern jenes war auch schon bei den Originalfilmen, wie FRANKENSTEINS HAUS (House of Frankenstein – 1944), Thema.

Das Remake zu DIE MUMIE (The Mummy – 1932) soll am 08. Juni 2017 in die deutschen Kinos kommen. Es wird in der heutigen Zeit spielen und Tom Cruise als Protagonisten in der Rolle eines Soldaten die Mumie entdecken lassen. Die Mumie wird diesmal weiblich sein, gespielt von Sofia Boutella, und es gibt Spekulationen,wonach sich hinter Tom Cruises Rolle die Figur des Van Helsing verbirgt, da er für diese Rolle schon vor ein paar Jahren in Verhandlungen stand. Er wäre als Bindeglied zwischen den einzelnen Filmen denkbar, was aber erstmal weiter nur als Spekulation gesehen werden sollte. Oscarpreisträger Russel Crowe, der auch schon im Trailer zu sehen ist, soll eine Art Dr. Jekyll& Mr. Hyde-Rolle mimen. Ein eigener Film für seine Figur könnte folgen. Regie geführt hat Alex Kurtzman.mummyposter

Zusammen mit den ersten 15 Sekunden ist auch ein erstes Poster zum Film veröffentlicht worden.
Der Schriftzug „Welcome to a new World of Gods and Monsters“ kündigt dabei schon das neue Monster-Universum an, das man mit diesem Film anstoßen möchte.

Manuel Föhl

VICTOR SJÖSTRÖM – Film can be art – Interview mit dem Autor Jens Dehn

In den nächsten Tagen erscheint #1 der neuen Buchreihe des 35 Millimeter-Verlags. Neben dem Retro-Film-Magazin – welches bereits im vierten Jahrgang läuft – ein weiteres Printprodukt der Herausgeber. Anlässlich dieser Veröffentlichung, mit dem Thema VICTOR SJÖSTRÖM, führte unser Kollege Marco Koch vom Filmforum Bremen ein Interview mit dem Autor Jens Dehn.

 

 VS BuchMarco Koch: „Film can be art“ ist der erste Beitrag der neuen 35 Millimeter-Buchreihe. Mit Victor Sjöström behandelst Du einen der ersten bedeutenden, innovativen Regisseure der Stummfilmzeit. Wie kam es zu dem Buch?

Jens Dehn: Sjöström war immer einer meiner Favoriten aus der Frühzeit des Films. Leider sind viele seiner Filme außerhalb Schwedens ein wenig in Vergessenheit geraten, da sie weder im Kino noch im Fernsehen gezeigt werden und auch auf DVD kaum erhältlich sind. Ich hatte schon seit längerem den Gedanken, über Sjöström zu schreiben, nicht zuletzt, da es bislang kein anderes deutschsprachiges Buch gibt, das sich mit ihm und seinen Filmen beschäftigt. Ich war mir aber bewusst, dass es in Deutschland keinen Verlag gibt, der ein Buch über einen schwedischen Stummfilmregisseur herausbringen würde. Der deutsche Markt für Filmfachbücher ist ja generell sehr überschaubar. Und die Zeit vor dem Tonfilm wird nur ganz selten behandelt. Sjöström ist so gesehen die Nische einer Nische.

Dann habe ich die Zeitschrift 35 Millimeter kennen gelernt und fand damals schon, dass dies das passende Zuhause für ein Sjöström-Buch sein könnte. Wenn nicht hier, wo dann? Bei 35 Millimeter passt das Umfeld: Wenn es so etwas wie eine Zielgruppe gibt, dann wird sie durch das 35 Millimeter-Magazin direkt erreicht. Das hat es für mich reizvoll gemacht – zwischen den Lesern der Zeitschrift und denen, die sich für den Stummfilm interessieren, gibt es eine Schnittmenge. Daher fühlte ich mich unter dem Label 35 Millimeter bestens aufgehoben. Als Jörg Mathieu, der Herausgeber von 35 Millimeter, 2015 dann ankündigte, auch eine Buchreihe starten zu wollen, habe ich ihn kontaktiert und gefragt, ob er sich Sjöström in dieser Reihe vorstellen kann. Glücklicherweise ist er ebenfalls ein großer Stummfilmfreund und Sjöström zählt auch zu seinen Lieblingen. Dadurch kamen wir eigentlich sehr schnell zusammen und vereinbarten, dass Sjöström der erste Band der neuen Reihe werden soll.

MK: Das Buch ist die erste deutschsprachige Monografie über Sjöström. Es hat mich sehr überrascht, dass es vorher noch keine Arbeit zu ihm gegeben hat.

JD: Mich ehrlich gesagt auch. Natürlich gibt es deutschsprachige Literatur, in der Sjöström vorkommt: Gösta Werner hat in „Geschichte des schwedischen Films“ ihm und Mauritz Stiller ein gemeinsames Kapitel gewidmet, Ulrich Gregor und Enno Patalas haben Sjöström in ihrer „Geschichte des Films“ auf eineinhalb Seiten erwähnt. Es sind eben immer nur einzelne Abschnitte, die schnelle Vorstellungen beinhalten, aber genauso schnell zum nächsten Thema weiterziehen. In der englischsprachigen Literatur ist das übrigens auch nicht viel anders. Dass „Film can be art“ nun die erst Sjöström-Monografie im deutschsprachigen Raum sein würde, hat dann aber natürlich auch den Aufbau des Buchs beeinflusst.

MK: Inwiefern?

JD: Der erste Gedanke war eigentlich, filmanalytisch vorzugehen. Zu zeigen, wie Sjöström seinen Stil entwickelt hat, welches seine Vorbilder und Einflüsse waren bzw. ob es solche Einflüsse überhaupt gab. Eine Analyse von Sjöströms Filmen hätte sich ja am Material abgearbeitet, wäre also zumeist eng an den Filmen selbst geblieben. Dann habe ich mit Jörg darüber gesprochen, dass es bislang noch nichts gibt, was einen Gesamtüberblick anbietet und Sjöström etwas ausführlicher vorstellt. Wir waren uns schnell einig, dass wir diese Lücke mit dem Buch füllen sollten.

Eine Monografie bedeutet aber, von den Filmen selbst etwas wegzugehen, umfassender zu werden, äußere Einflüsse mit einzubeziehen, Produktionsbedingungen, aber auch biografische Bezüge aufzugreifen. Es gibt einige Querverbindungen zu Sjöströms eigenem Leben, die sich in seinen Filmen wieder finden, das alles wird nun viel stärker thematisiert. Zudem hatte ich schon den Anspruch, eine gewisse Vollständigkeit zu geben. Also auch jene Filme einzubeziehen, die als verloren gelten – was bei Sjöström auf einen Großteil seiner frühen Filme zutrifft. Natürlich ist es nicht möglich, Filme eingehend zu analysieren, die es nicht mehr gibt und die man nicht mehr sehen kann, aber anhand der Inhalte lassen sich zumindest thematische Übereinstimmungen und Vorlieben ableiten. Ich habe anfangs aber unterschätzt, wie zeitaufwendig es sein würde, diese Inhalte zusammenzutragen.

MK: Wie bist Du da vorgegangen – normalerweise sieht man sich einen Film an und kann das Gesehene dann aus seinem eigenen Empfinden heraus wiedergeben. Aber bei einem verschollenen Film hast Du kein Material, das Du sichten kannst?

JD: Ich konnte mich in diesen Fällen fast ausschließlich nur auf schwedische Primärquellen beziehen, also zeitgenössische Zeitungsberichte, Werbematerialien und ähnliches. Das schwedische Filminstitut hat mit seiner Enzyklopädie Svenska filmografi vieles zusammengetragen und vereint, auf das ich da zurückgreifen konnte. Aber ich musste das meiste erst einmal aus dem Schwedischen übersetzen und oft natürlich gegenprüfen, denn es kommt vor, dass sich Quellen und Kritiken in den Inhaltsbeschreibungen auch mal widersprechen und voneinander abweichen.

MK: Und wie bist Du mit dem Ergebnis zufrieden – deckt „Film can be art“ am Ende den „ganzen Sjöström“ ab?

ingmar_bergman_och_victor_sjostrom_1957_415294968

Ingmar Bergman und Victor Sjöström

JD: Das möchte ich schon sagen, ja. Biografische Abschnitte beziehen Sjöströms persönlichen Hintergrund mit ein, zudem behandelt ein Kapitel die damaligen Produktionsbedingungen und die Geschichte von Svenska Bio, die Mitte der 1910er Jahre die größte Produktionsgesellschaft Europas war neben Pathé Frères in Frankreich. Aber im Zentrum stehen doch immer die Filme selbst: Es gibt analytische Kapitel zu seinen schwedischen Filmen, ein Kapitel über seine Zeit in Amerika und auch eines, das sich mit Sjöström als Schauspieler beschäftigt. Schließlich war das für ihn mindestens ebenso wichtig und abgesehen von seinem Fuhrmann des Todes ist ja auch Wilde Erdbeeren von Ingmar Bergman der Film, für den Sjöström heute am bekanntesten ist. Weil seine darstellerische Leistung darin so beeindruckt. Zudem gibt es eine große kommentierte Filmografie, die alle Filme einschließt, die er inszeniert hat.

MK: Du sagst es, Sjöströms bekanntester Film ist Der Fuhrmann des Todes. Natürlich schreibst Du auch über diesen Film, aber mir ist aufgefallen, dass Du ihm – gemessen an seiner Bedeutung – nicht außerordentlich viel Platz einräumst.

JD: Es ist ja oft so, dass Regisseure am Ende auf einen oder zwei Filme reduziert werden: Wenn wir von Murnau reden, ist es meistens Nosferatu, bei Eisenstein Potemkin. Griffith wird auf Birth of a Nation und Intolerance reduziert, obwohl er insgesamt über 500 Filme gemacht hat. Bei Pabst sind vor allem die Sachen mit Louise Brooks bekannt, bei Abel Gance Napoleon und bei Sjöström ist es eben Der Fuhrmann des Todes. Davon abgesehen hat er aber ein gutes Dutzend weiterer Filme gemacht, in denen es vieles zu entdecken gibt, die aber in Deutschland mittlerweile niemand mehr kennt. Da wollte ich mit meiner Gewichtung schon ein wenig gegensteuern.

Das Bemerkenswerte ist ja, dass dem schwedischen Stummfilm immer attestiert wird, er habe als erster die Natur nicht mehr nur als bloße Kulisse, sondern als integralen Bestandteil der Handlung genutzt. Das hat sich in der Filmgeschichtsschreibung, von Toeplitz bis in die heutige Zeit, fast schon schlagwortartig etabliert. Und Sjöström war dabei die wesentliche, treibende Kraft. Aber gerade die beiden Filme, mit denen er diesen naturalistischen Stil entwickelt hat, Terje Vigen und Berg-Ejvind und sein Weib, sind aus sämtlichen Kanons und dem filmischen Bewusstsein beinahe komplett verschwunden. Stattdessen wird Sjöström mit dem Fuhrmann des Todes assoziiert, der im Grunde ein Schritt zurück war, relativ statisch gefilmt und ausschließlich im Atelier entstanden. Natürlich beeindruckt der Film nach wie vor aufgrund seiner Erzählweise und der Tricktechnik, die für das Jahr 1921 wirklich erstaunlich ist. Aber insgesamt finde ich es schon paradox, dass Sjöström meistens nur auf diesen Film reduziert wird.

MK: „Film can be art“ wird über den Internet-Shop von 35 Millimeter zu kaufen sein, allerdings nicht über den normalen Buchhandel. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

JD: Jörg und ich lagen bei der Einschätzung des Projektes von Beginn an sehr nah beieinander. Uns war beiden klar, dass wir mit diesem Buch keine Verkaufsrekorde brechen werden. Dafür ist das Thema zu speziell. Wir haben uns daher bewusst für eine kleine Auflage von 250 Exemplaren entschieden. Das hält Jörgs verlegerische Risiken in Grenzen, verleiht dem Ganzen auf der anderen Seite aber auch etwas Exklusives. Dass das Buch über den regulären Buchhandel nicht zu erwerben ist, ist auf der einen Seite natürlich schade, aber wir denken, dass es heutzutage kein wirklicher Nachteil mehr ist, ein Buch lediglich online zu vertreiben.

MK: Wer darf sich mit dem Buch als potenzieller Leser angesprochen fühlen?

JD: Letztlich jeder, der sich für die Filme Sjöströms oder den frühen Film allgemein begeistert. Es ist daher gleichermaßen für Filmliebhaber interessant wie zum Beispiel auch für Studenten der Filmwissenschaft. Wobei ich diesen wissenschaftlichen Stil nicht mag, bei dem die Autoren mit Fremdwörtern und Fachbegriffen um sich werfen, nur um elitär zu wirken. Das hat mich schon als Student immer abgestoßen, daher war mir wichtig, leicht verständlich zu schreiben.

Es ist nun zwar schon ein paar Jahre her, dass ich selbst Filmwissenschaft studiert habe, aber schon zu meiner Zeit war es auffällig, dass das Interesse für Filmgeschichte immer stärker nachließ. Vor allem was die Zeit vor den 1930ern angeht, war bei vielen kaum mehr so etwas wie Wissensdurst vorhanden. Die Folge ist dann, dass auch aktuelle Filme nicht mehr richtig bewertet, eingeordnet und schon gar nicht in einen Kontext gesetzt werden können. Wenn es uns – 35 Millimeter und mir – also gelingt, die Liebhaber glücklich zu machen und obendrein noch den ein oder anderen Neuling zu Sjöström zu bekehren, würde mich das schon sehr glücklich machen.

MK: Vielen Dank für deine Zeit Jens, wir sind gespannt auf das Ergebnis. Wer jetzt neugierig geworden ist, und das Buch über VICTOR SJÖSTRÖM bestellen möchte, kann dies über folgenden Link tun:
http://35mm-retrofilmmagazin.de/produkt/35-millimeter-buchreihe-1-victor-sjoestroem/

 

VICTOR SJÖSTRÖM – FILM CAN BE ART

35 Millimeter – In eigener Sache

Die 35 MILLIMETER-BUCHREIHE #1:

VICTOR SJÖSTRÖM – FILM CAN BE ART

Mit Hochdruck arbeiten wir an unsrer ersten Buchveröffentlichung, die über unseren Verlag erscheinen soll. Angekündigt hatten wir den Titel bereits für Oktober. Die Verhandlungen zu den von uns ausgewählten Fotos für das Buch gestalten sich jedoch schwieriger als erwartet – wir werden jedoch noch diese Woche eine Lösung finden.

Das Buch wird noch im November in Druck gehen, so dass wir auf jeden Fall noch vor Weihnachten an alle Vorbesteller ausliefern können.

VS Buch

Zu dieser Publikation schreibt der Autor Jens Dehn:

„Das vorliegende Buch – der erste Band einer neuen filmhistorischen Reihe des 35 Millimeter-Verlags, die sich dezidiert den ersten 70 Jahren Filmgeschichte widmet – soll ein Entree zum Werk Victor Sjöströms bieten. Neben Übersichten zur Biografie des Regisseurs und seinen Anfängen bei der Produktionsgesellschaft Svenska Bio (später Svensk Filmindustri) geben Kapitel zu bevorzugten Themen und Inszenierung Einblick in seine Regiearbeit. Sein Ausflug nach Hollywood stellt eine Zäsur dar, Sjöström musste sich an eine Arbeitsweise anpassen, die ihm unbekannt war. Zudem konnte er nicht auf seine vertrauten Mitarbeiter zurückgreifen. Seine amerikanischen Filme werden daher in einem gesonderten Abschnitt behandelt, ehe eine kommentierte Filmografie den Abschluss bildet.

6000_7_032_00000409_0

 

Der 35 Millimeter-Verlag hat es sich auf die Fahnen geschrieben, dem Vergessen der ersten Jahrzehnte Filmgeschichte entgegenzuwirken. Die frühe Zeit des Films bis in die 1960er Jahre hinein soll mit dieser Buchreihe wieder ins Bewusstsein der filminteressierten Leser rücken. „VICTOR SJÖSTRÖM – FILM CAN BE ART“ macht den Anfang und stellt einen Filmemacher vor, dessen dezente Schauspielführung und naturalistische Regie eine neue Filmsprache prägten.“

Die Redaktion

 

Nachruf in eigener sache

image1

Unser Redaktionsgründungsmitglied Sabine Tews ist am 04.07.2016 nach kurzer, aber sehr schwerer Krankheit von uns gegangen.

Sabine wurde 1963 in St. Wendel geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war sie als Richterin am Landgericht, am Familiengericht und am Betreuungsgericht Saarbrücken eingesetzt. Die ihr anvertraute richterliche Gewalt hat sie behutsam und mit großem Pflichtbewusstsein gehandhabt. Dieses Pflichtbewusstsein zeichnete auch ihre Arbeit für das 35 Millimeter-Magazin aus, an dessen Erfolg sie zusammen mit dem Chefredakteur und der Autorin von Anfang an geglaubt hat.

Privat verband uns unsere Leidenschaft für den klassischen und den modernen Film. Ihre tatkräftige Unterstützung und ihr Engagement wird der Redaktion fehlen, mir persönlich zudem die Kinobesuche, die mit Sabine immer ein Erlebnis waren. Unvergessen bleiben auch die gemeinsamen Teestunden in der Baker Street.

Wir verlieren eine gute Redakteurin und einen besonderen Menschen, den wir vermissen werden.

Annette Gieseking

SPEKTAKULÄRE ENTDECKUNG – Erster Gore-/Splatter-Effekt im Film?

Dieser Fund wird nicht nur Horror- und Splatterfilmfans überraschen, auch Filmhistoriker müssen ihre Analysen hinterfragen. Nimmt man es genau, müssten einige Wikipedia-Einträge, Artikel und Filmbücher neu geschrieben werden.

Jahrzehntelang war man sich unter Cineasten einig, dass ein paar Fakten der Filmgeschichte unumstritten fest stehen: Die erste Splatterszene in einem Film habe Luis Buñuel mit seinem Avantgarde-Film EIN ANDALUSISCHER HUND (1928) abgeliefert. Wir sehen ein Rasiermesser das einen Augapfel in der Mitte teilt – Augenflüssigkeit läuft aus. Ebenfalls unumstritten schien bisher, dass Herschell Gordon Lewis 1963 den Begriff des „Gorefilms“ definierte und mit BLOOD FEAST (1963) ein neues Subgenre des Horrorfilms schuf. Aber stimmt das wirklich? Oder zeugen diese seit Jahrzehnten wiederholten „Fakten“ nicht einfach nur von Unkenntnis der Filmgeschichte? Nun kann man niemandem vorwerfen, dass er nicht jeden Film der vergangenen 121 Jahre gesehen hat. Dass man aber mit Definitionen wie „der erste“ oder „zum ersten Mal“ vorsichtig umgehenmuss, zeigt folgender bemerkenswerter Fund unserer Redaktion.

Bunuel-Ein-andalusischer-Hund

EIN ANDALUSISCHER HUND

Bereits 1918 – also 10 Jahre vor EIN ANDALUSISCHER HUND – sehen wir folgende Szene in einen Stummfilm (!): Ein Haus fällt unter dem Angriff deutscher Soldaten durch eine Granate in sich zusammen. Ein riesiger Steinbrocken des Hauses trifft den alten Hausherrn genau in der Mitte seines Körpers und spaltet ihn. Seine Tochter (Lillian Gish) findet den Vater, und der Zuschauer sieht, was sie sieht: Der Mann wurde genau an der Hüfte in zwei Teile getrennt. Wir sehen links im Bild seine Beine, in der Mitte den Felsbrocken und rechts seinen Oberkörper von unten (also seine Därme). Eine Szene, die dem aufmerksamen Horrorfan sofort bekannt vorkommt und die wir im modernen Splatterfilm seit Jahrzehnten immer wieder gezeigt bekommen. Nichts Neues also – aus heutiger Sicht. Aber vor 98 Jahren?! Wer hatte den Mut, die Gräuel des Krieges so plakativ und reißerisch zu zeigen? Es war kein Geringerer als David Wark Griffith in seinem Antikriegsdrama HEARTS OF THE WORLD (1918) – damals ein Blockbuster mit Staraufgebot.

HOTW

HEARTS OF THE WORLD

Im Grunde müsste man die Filmgeschichte neu bewerten und Buñuels EIN ANDALUSISCHER HUND in diesem Sinne durch Griffiths HEARTS OF THE WORLD ersetzen. HEARTS OF THE WORLD ist in seiner Gewaltdarstellung auch ansonsten nicht zimperlich. Spontan ist man geneigt, dem Film zu bescheinigen, der bis dahin brutalste Streifen der noch jungen Filmgeschichte zu sein, aber damit wollen wir in Zukunft vorsichtiger sein. Wer weiß schon, ob sich nicht ein noch derberer Schocker aus dem Jahr 1917 auffindet?

Jörg Mathieu

Aktuelles Interview für DUOSCOPE

http://duoscope.blogspot.de/2016/05/zwischenschau-geliebte-klassiker-und.html

Unter diesem Link ist seit Gestern ein aktuelles Gespräch mit Jörg Mathieu zu finden.
Er spricht über seine Leidenschaft, das Magazin, den Cinefonie-Tag und über Zukunftspläne.

Duo

Änderung – Bestellungen aus dem Ausland (Auslands-Abo)

Aufgrund der gestiegenen Portokosten ins Ausland haben wir uns entschlossen, Bestellungen aus dem Ausland nur noch auf Anfrage zu bearbeiten. Im Bestell-Shop des Magazins ist die Funktion abgestellt. Dort sind nur noch Bestellungen aus dem Inland möglich.

Einzelheftbestellungen aus dem Ausland stellen wir komplett ein.
Auslands-ABOs nur noch auch Anfrage per Mail an: info@35mm-retrofilmmagazin.de

Wir bitten um Verständnis

Die Redaktion

35 Millimeter-Sonderausgabe #2 – JAZZ IM FILM 1927-1965

Hier kommt sie nun, die 2. SONDERAUSGABE von 35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin. Einigen mag das Thema bereits vertraut sein, da wir bereits eine vierteilige Artikelreihe zu JAZZ IM FILM in diversen Ausgaben hatten.

 

Druck

Vorab Cover

Die Autoren der Artikel – die beiden Jazzhistoriker und –musiker Klaus und Edgar Huckert – haben aufgrund der positiven Resonanz der Reihe beschlossen, die vorliegenden Texte zu aktualisieren, zu ergänzen und neu aufzulegen, da die betreffenden Ausgaben des Magazin bereits vergriffen sind.

Die im Sommer 2016 erscheinende SONDERAUSGABE wird die Thematik so umfangreich darstellen wie das bisher im deutschsprachigen Raum noch nicht der Fall war. Für die hier erarbeiteten Kenntnisse haben die Autoren nahezu 400 Titel gesichtet und analysiert. Die Jahre 1927-1965 stellen den ersten Teil dieser Genreanalyse. Ein zweiter Teil wird sich mit den Jahren 1966-2017 befassen. Auch diese Fortsetzung wird über den Verlag des 35 Millimeter-Magazins herausgegeben (ein Veröffentlichungsdatum steht noch nicht fest).

Wie bereits die 1. SONDERAUSGABE des Magazins wird auch #2 streng limitert sein. Ab sofort ist der Titel im 35 Millimeter-Shop zum vorbestellen gelistet.

Die 35MM-Redaktion

get_footer() ?>