35 Millimeter

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Das Retro Film Magazin

ZWÖLF UHR MITTAGS bekommt ein Remake

Während aktuell DIE GLORREICHEN SIEBEN (The Magnificent Seven – 1960) ihre Rückkehr ins Kino feiern, soll auch ein weiterer Western-Klassiker auf die große Leinwand zurückkehren: ZWÖLF UHR MITTAGS (High Noon – 1952). Anders als das Original soll der Film aber in der Jetztzeit angesiedelt sein und das Szenario an einer von Kartellen kontrollierten Grenze zwischen Mexiko und den USA ausspielen:

Es ist der Tag seiner Hochzeit, an dem sich Sheriff Kane entscheiden muss, ob er sich der Rache des gefürchteten Mörders Miller stellen soll oder dem Bitten seiner jungen Frau Amy nachgeben und die Stadt verlassen soll.

Das damalige Original wurde von Fred Zinnemann inszeniert und konnte vor der Kamera unter anderem schauspielerische Schwergewichte wie Gary Cooper, Gene Kelly, Lon Chaney jr. und Lloyd Bridges versammeln. Ein besonderer Clou des Films war, dass er in Echtzeit erzählt wurde. Der Stellenwert des Films ist bis heute ungebrochen. Vom American Film Institute wurde das Werk 2007 auf Platz 27 der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten gesetzt.

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Ob dem ein Remake gerecht werden kann? Mit der Veränderung des Grundszenarios entfernt man sich zumindest schon deutlich vom Original. Es bleibt abzuwarten, inwiefern man sich bei der Figurenzeichnung am Original orientieren wird und ob die Erzählung wieder in Echtzeit stattfinden wird.

Manuel Föhl

DER MÜDE TOD auf Blu-ray erschienen

Während in Deutschland Fritz Langs DER MÜDE TOD (1921) nur auf DVD erschienen ist – wir hatten diese DVD in Ausgabe #14 ausführlich vorgestellt – hat man dem Werk nun im amerikanischen Ausland eine Blu-ray spendiert.

 

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Unter dem englischen Titel „Destiny“ wurde der Film dort vom Label ‚Kino Lorber‘ hochauflösend in den Handel gebracht. Die Zwischentitel wurden hierbei auf Deutsch belassen, was nicht immer so gehandhabt wird. Der Haken an der Veröffentlichung ist, dass die Disc US-üblich mit Ländercode A versehen ist. Für den europäischen Markt und für europäische Player sind in der Regel nur Blu-rays mit Ländercode B abspielbar.

Für den deutschen Zuschauer gleicht es eher einer Farce, dass ein deutscher Film, der mit Fördermitteln von hier restauriert wurde, hierzulande nur auf DVD erscheint. Abhilfe könnte aber die Ankündigung seitens des englischen Labels Eureka Entertainment schaffen, die angekündigt haben den Film als Teil ihrer Masters-of-Cinema-Reihe zu veröffentlichen. Wann und wie genau steht aber noch nicht fest.

 

Manuel Föhl

Retrospektive der Nordischen Filmtage begibt sich dieses Jahr in fremde Welten

Auch dieses Jahr bieten die Nordischen Filmtage in Lübeck, vom 02. bis 06. November, neben ihrem abwechslungsreichen Hauptprogramm eine Retrospektive an. Diese läuft in diesem Jahr unter dem Titel „In fremden Welten – In Different Worlds“. Dabei sollen Filme aufgegriffen werden, in denen sich Skandinavier aufmachten, um fremde Länder zu entdecken und zu erkunden.

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So wird es als Stummfilmevent MIT SVEN HEDIN DURCH ASIENS WÜSTEN (1929) zu entdecken geben.

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In dem Film wurde der schwedische Forscher Sven Hedin 1927/28 von dem Kameramann Paul Lieberenz auf seiner Expedition durch Innerasien von Peking nach Urumtschi begleitet. Anlass der Expedition waren die Pläne von Lufthansa, eine direkte Fluglinie zwischen Berlin und Peking zu installieren. Deshalb mussten meteorologische Beobachtungen gemacht werden, Wetterstationen aufgebaut und das Gelände auf geeignete Flugplätze untersucht werden. Es sind aber weniger die Forschungen, die im Mittelpunkt des Filmberichts stehen, als vielmehr die vorwärtsziehende Karawane, die neben den insgesamt 27 Forscher aus nicht weniger als 300 Kamelen und zahlreichen Helfern bestand. Als Höhepunkt des Films gilt ein dramatischer Sandsturm.
Lotte Eisner meinte zu dem Film damals: „Dieser Expeditionsfilm mit Sven Hedin durch die Wüsten bedeutet mehr als eine Schau schöner Bilder. In der Wiedergabe des dokumentarischen Vorgangs ist er von der Spannung erfüllt, die nur Tatsachen geben können.“

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Ein weiterer Film der Retrospektive wird WINDJAMMER (1957/58) von Louis de Rochemont sein, ein Werk über eine Atlantikreise mit dem Segelschulschiff ‚Christian Radich‘. Des Weiteren werden auch aktuelle Dokumentationen aus den letzten Jahren gezeigt. Begleitend zur Retrospektive wird auch zum dritten Mal das »Lübeck Film Studies Colloquium« organisiert, das sich an (Film-)Wissenschaftler und Studenten richtet.

Manuel Föhl

Nachruf in eigener sache

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Unser Redaktionsgründungsmitglied Sabine Tews ist am 04.07.2016 nach kurzer, aber sehr schwerer Krankheit von uns gegangen.

Sabine wurde 1963 in St. Wendel geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war sie als Richterin am Landgericht, am Familiengericht und am Betreuungsgericht Saarbrücken eingesetzt. Die ihr anvertraute richterliche Gewalt hat sie behutsam und mit großem Pflichtbewusstsein gehandhabt. Dieses Pflichtbewusstsein zeichnete auch ihre Arbeit für das 35 Millimeter-Magazin aus, an dessen Erfolg sie zusammen mit dem Chefredakteur und der Autorin von Anfang an geglaubt hat.

Privat verband uns unsere Leidenschaft für den klassischen und den modernen Film. Ihre tatkräftige Unterstützung und ihr Engagement wird der Redaktion fehlen, mir persönlich zudem die Kinobesuche, die mit Sabine immer ein Erlebnis waren. Unvergessen bleiben auch die gemeinsamen Teestunden in der Baker Street.

Wir verlieren eine gute Redakteurin und einen besonderen Menschen, den wir vermissen werden.

Annette Gieseking

Neues von den Universal Monstern: Mumie gesichtet und Frankensteins Monster gefunden

Bereits mehrmals haben wir nun über Universals Pläne berichtet, die hauseigenen bekannten Monster wieder auf die Leinwand zu bringen. Die diversen Projekte sind schon mehr oder weniger fortgeschritten. Im Dreh befindet sich bereits ein Remake zu DIE MUMIE (The Mummy – 1932), welches im Sommer 2017 in die Kinos kommen soll. Die größte Überraschung ist wohl hierbei, dass in die Fußstapfen von u.a. Boris Karloff und Arnold Vosloo mit Sofia Boutella eine Frau treten wird. Erste Bilder, wie sie als Mumie aussehen wird, sind nun vom Dreh in London aufgetaucht.

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Sofia Boutella als Mumie

Derweil konnte ein weiteres Monster gefunden werden und soll schon bald zu der mittlerweile namhaften Besetzung dazukommen: Der Spanier Javier Bardem steht in Verhandlungen, Frankensteins Monster zu spielen. Er war auch schon ursprünglich im Gespräch für die Rolle des Dr. Jekyll, die nun von Russel Crowe übernommen wurde und schon im kommenden DIE-MUMIE-Film auftauchen soll.

Manuel Föhl

SPEKTAKULÄRE ENTDECKUNG – Erster Gore-/Splatter-Effekt im Film?

Dieser Fund wird nicht nur Horror- und Splatterfilmfans überraschen, auch Filmhistoriker müssen ihre Analysen hinterfragen. Nimmt man es genau, müssten einige Wikipedia-Einträge, Artikel und Filmbücher neu geschrieben werden.

Jahrzehntelang war man sich unter Cineasten einig, dass ein paar Fakten der Filmgeschichte unumstritten fest stehen: Die erste Splatterszene in einem Film habe Luis Buñuel mit seinem Avantgarde-Film EIN ANDALUSISCHER HUND (1928) abgeliefert. Wir sehen ein Rasiermesser das einen Augapfel in der Mitte teilt – Augenflüssigkeit läuft aus. Ebenfalls unumstritten schien bisher, dass Herschell Gordon Lewis 1963 den Begriff des „Gorefilms“ definierte und mit BLOOD FEAST (1963) ein neues Subgenre des Horrorfilms schuf. Aber stimmt das wirklich? Oder zeugen diese seit Jahrzehnten wiederholten „Fakten“ nicht einfach nur von Unkenntnis der Filmgeschichte? Nun kann man niemandem vorwerfen, dass er nicht jeden Film der vergangenen 121 Jahre gesehen hat. Dass man aber mit Definitionen wie „der erste“ oder „zum ersten Mal“ vorsichtig umgehenmuss, zeigt folgender bemerkenswerter Fund unserer Redaktion.

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EIN ANDALUSISCHER HUND

Bereits 1918 – also 10 Jahre vor EIN ANDALUSISCHER HUND – sehen wir folgende Szene in einen Stummfilm (!): Ein Haus fällt unter dem Angriff deutscher Soldaten durch eine Granate in sich zusammen. Ein riesiger Steinbrocken des Hauses trifft den alten Hausherrn genau in der Mitte seines Körpers und spaltet ihn. Seine Tochter (Lillian Gish) findet den Vater, und der Zuschauer sieht, was sie sieht: Der Mann wurde genau an der Hüfte in zwei Teile getrennt. Wir sehen links im Bild seine Beine, in der Mitte den Felsbrocken und rechts seinen Oberkörper von unten (also seine Därme). Eine Szene, die dem aufmerksamen Horrorfan sofort bekannt vorkommt und die wir im modernen Splatterfilm seit Jahrzehnten immer wieder gezeigt bekommen. Nichts Neues also – aus heutiger Sicht. Aber vor 98 Jahren?! Wer hatte den Mut, die Gräuel des Krieges so plakativ und reißerisch zu zeigen? Es war kein Geringerer als David Wark Griffith in seinem Antikriegsdrama HEARTS OF THE WORLD (1918) – damals ein Blockbuster mit Staraufgebot.

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HEARTS OF THE WORLD

Im Grunde müsste man die Filmgeschichte neu bewerten und Buñuels EIN ANDALUSISCHER HUND in diesem Sinne durch Griffiths HEARTS OF THE WORLD ersetzen. HEARTS OF THE WORLD ist in seiner Gewaltdarstellung auch ansonsten nicht zimperlich. Spontan ist man geneigt, dem Film zu bescheinigen, der bis dahin brutalste Streifen der noch jungen Filmgeschichte zu sein, aber damit wollen wir in Zukunft vorsichtiger sein. Wer weiß schon, ob sich nicht ein noch derberer Schocker aus dem Jahr 1917 auffindet?

Jörg Mathieu

Intrada veröffentlicht zwei frühe Scores von Miklós Rózsa

Das bekannte amerikanische Filmmusiklabel Intrada Records hat für seine Fans ein ganz besonderes Bonbon  veröffentlicht. Die beiden Kompositionen des ungarisch-amerikanischen Komponisten Miklós Rózsa, FÜNF GRÄBER BIS KAIRO (Five Graves to Cairo – 1943) und MUTIGE FRAUEN (So Proudly We Hail! – 1943), veröffentlichte das Label nun auf einer CD.

Von der Musik zu FÜNF GRÄBER IN KAIRO von Billy Wilder gab es bisher nur diese Suite:
https://www.youtube.com/watch?v=6JS9vKMp8JA
Sie erschien bereits 1977 auf der Veröffentlichung „Rozsa Conducts Rozsa“.

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Der Film bedeutete für Rózsas Karriere damals viel, war es doch seine erste große Major Studio-Produktion.

Als Zusatz bietet die CD noch ein paar wenige übriggebliebene Stücke aus seinen Arbeiten für die Filme THE HOUR BEFORE DAWN (1944), THE MAN IN HALF MOON STREET (1945) und WOMAN OF THE TOWN (1943).

Manuel Föhl

Koch Media veröffentlicht ABBOTT UND COSTELLO TREFFEN FRANKENSTEIN als Mediabook

Koch Media wird am 07. Juli  (Abbott and Costello Meet Frankenstein – 1948) als Mediabook auf 1000 Exemplare limitiert auf Blu-ray und DVD veröffentlichen. Dies markiert die BD-Premiere des Films in Deutschland. Bisher gab es nur eine amerikanische Veröffentlichung von 2012.ac-frankenstein_md-3d

Der Film zählt zu den bekanntesten Filmen des Komiker-Duos. Kein Wunder, versammeln sich doch gemeinsam mit ihnen vor der Kamera die Horror-Ikonen Lon Chaney jr., Bela Lugosi und Glenn Strange, der in den 40er Jahren Boris Karloff als das berühmte Monster von Frankenstein beerbt hatte.

Manuel Föhl