DVD- und Blu-ray-Schätze aus aller Welt Exklusive Kaufempfehlungen der 35MM-Redaktion

REPEAT PERFORMANCE (1947)

Flicker Alley

Dank der Film Noir Foundation und der UCLA, ist dieser lang verschollene Film nun in einer toprestaurierten Fassung, mit jeder Menge Extras, bei dem US-Label Flicker Alley erschienen.

Die Handlung ist schnell erzählt:

Die Schauspielerin Sheila Page (Joan Leslie) erschießt ihren Mann (Louis Hayward), bereut die Tat und wünscht sich am Silvesterabend nichts sehnlicher, als dass sie das vergangene Jahr noch einmal erleben darf, damit sie diesmal alles richtig machen kann. Prompt geht dieser Wunsch in Erfüllung, doch wird jetzt wirklich alles gut …?

Die Riege der Schauspieler kann sich durchaus sehen lassen. Allen voran, die wunderschöne Joan Leslie, die auch schon in ENTSCHEIDUNG IN DER SIERRA (High Sierra 1941) neben Humphrey Bogart zu bewundern war. Tom Conway, den die meisten wahrscheinlich als „The Falcon” (1942-46), oder aus KATZENMENSCHEN (Cat People 1942) kennen. Richard Basehart, in seiner ersten Filmrolle, der später mit dem Regisseur des Films, Alfred L. Werker, auch im Noir SCHRITTE IN DER NACHT (He Walked by Night 1948) zusammengearbeitet hat. Louis Hayward, diesmal fast noch fieser, als in Fritz Langs DAS TODESHAUS AM FLUSS (House by the River 1950).

Eines der Highlights dieser Regionalcodefreien, Dual Format Edition von Flicker Alley, ist die Ausstattung. Eine Einleitung zum Film gibt es vom „Czar of Noir” und Film Noir Foundation Gründer Eddie Muller persönlich. Dazu eine Doku über das Eagle Lion Studio, von Alan K. Rode, ebenfalls einer der Gründer der FNF und Buchautor, u.a. der Michael-Curtiz-Biographie. Eine Videobiography über Joan Leslie von Film Historikerin Farran Smith Nehme. Natürlich darf auch ein Audio-Kommentar nicht fehlen, in diesem Fall von Filmhistorikerin Nora Fiore. Das ganze wird abgerundet von einem liebevoll, von Michael Kronenberg (Grafiker der FNF), gestaltetem Booklet, mit einer Buch vs. Film Gegenüberstellung von Brian Light. Als Wendecover gibt es das original Plakatmotiv.

Deshalb, auch wenn die Blu-ray/DVD-Veröffentlichung nicht ganz billig ist: Absolute Kaufempfehlung! Man darf auf jeden Fall schon auf die nächste Zusammenarbeit von Film Noir Foundation und Flicker Alley gespannt sein.

Die Blu-ray ist hier erhältlich:

https://www.flickeralley.com/classic-movies-2/#!/Repeat-Performance/p/417314632/category=20414531

https://www.amazon.com/Repeat-Performance-Blu-ray-Dual-Format-Flicker/dp/B09M7PFXBL

Maggie Breitmeier (Gastautorin)


Ida Lupino – Filmmaker Collection

Kino Lorber

Einer Empfehlung unser Stammleserin Maggie Breitmeier folgend, empfehle ich meinerseits die wunderschöne Box von Kino Lorber Studio Classics: „Ida Lupino – Filmmaker Collection“.

Die Box enthält vier Regiearbeiten Ida Lupinos auf Blu-ray in hervorragender Qualität, jeweils kompetent audiokommentiert und wahlweise auch engl. untertitelt: NOT WANTED (Verführt 1949), NEVER FEAR (Lügende Lippen 1950), THE HITCH-HIKER (1953) und THE BIGAMIST (Der Mann mit den zwei Frauen 1953). Anbei auch ein kleines Buch mit einem wirklich herausragenden Essay von Ronnie Scheib („Ida Lupino Auteuress“).

Ida Lupino (1918-1995) war eine der wirklich ganz wenigen Regisseurinnen Old Hollywoods, sie war zudem noch Produzentin, Drehbuchautorin und Schauspielerin. Was in diesen Filmen fasziniert, ist, dass Lupino ihre Themen filmisch erzählt und nicht vorführt oder proklamiert. Es sind allesamt B-Filme, dabei herausragendes Hollywood-Handwerk, sehr effizient und kompetent inszeniert, ihre Schauspielerführung (von Sally Forrest, Keefe Brasselle, Edmond O’Brien und Joan Fontaine) ist großartig.

Ihre Themen? Die kleinbürgerliche Gesellschaft, die zur Passivität verdammt, dabei Menschen zeigend, denen das Leben geschieht, und die damit umzugehen haben, die dabei den Bigotterien der Gesellschaft und sich selbst begegnen (genauer dem, was aus ihnen gemacht wurde). Mir kam beim Ansehen dieser Filme immer wieder ein Schlüsselsatz Jean-Paul Sartres in den Sinn: „Es kommt nicht darauf an, was wir aus uns machen; sondern es kommt darauf an, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.“ Das ist das genaue Gegenteil der aktiven (Action-)Helden bei Raoul Walsh oder William A. Wellman, zwei Regisseuren, bei denen Lupino als Schauspielerin einmal begonnen hatte. Lupino spiegelt hiermit die Lebenswirklichkeit von Frauen zu dieser Zeit wieder, selbst, wenn es nur um Männer geht (wie in THE HITCH-HIKER). Es ist ein Kino ohne den in Old Hollywood zutiefst verankerten patriarchalen Machismo (vor und hinter der Kamera), eine wirkliche Seltenheit für diese Zeit, und auch gerade deshalb ebenso ungewöhnlich wie inspirierend.

Im neueren Feminismus ist Ida Lupino dennoch nicht sehr hoch angesehen, weil zu sehr eine wirkliche Filmemacherin, die an Proklamationen und Ideologie nicht interessiert ist. Doch gerade dies macht sie für die Emanzipation umso bedeutender. Und dazu habe ich ja bereits in meinem Rhonda Fleming-Buch bemerkt: „Es ist heute identitätspolitische Mode geworden, dem Aberglauben anzuhängen, ein Mensch könne sich jederzeit am eigenen Schopf aus den Prägungen seiner Herkunft und Zeit ziehen. So werden heute Urteile über Menschen gefällt, nach denen sich diese an einem persönlich und künstlerisch erfüllten, moralisch richtigen und politisch korrekten Leben zu messen lassen hätten, das aus einem geschichts- und kontextlosen Ideenhimmel hergeleitet wird. Doch Rhonda Fleming hat die wirklichen Herausforderungen ihrer Karriere und ihres Lebens in ihrer Zeit und ihrem realen Umfeld angenommen, und sie hat diese tatsächlich in etwas Wunderbares und Einmaliges verwandelt.“ Dasselbe lässt sich auch von Ida Lupino sagen, auf eine andere, ihr ganz eigene Art natürlich.

Es ist eine Regionalcodefreie US-Box, Ida Lupinos Filme gibt es in Deutschland nicht. Was es gibt, ist ein Buch im Berz Verlag („Ida Lupino: Die zwei Seiten der Kamera“) von 2018. Eine enervierende, in Teilen nahezu unlesbare akademische Selbstbespiegelung, die leider nur zu gut erklärt, warum es hierzulande mittlerweile eine tiefe Kluft zwischen der Filmwissenschaft und dem Publikum gibt (dies war ja nicht immer so).

Mein Kollege Prof. Dr. Tonio Klein hat über Ida Lupino in 35 MILLIMETER – DAS RETRO-FILMMAGAZIN einen sehr schönen Artikel geschrieben, den ich hingegen empfehlen kann.

Das Heft 27 (Juni/Juli 2018) von 35 MILLIMETER ist hier noch erhältlich: https://35mm-retrofilmmagazin.de/produkt/35-millimeter-27-juni-juli-18/

Die Box kann hier bezogen werden: https://www.amazon.com/-/de/dp/B07TKNG4XG/
oder hier: https://www.wowhd.de/ida-lupino-filmmaker-collection/738329238186

Robert Zion