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Das Retro Film Magazin

35 MM-NEWS

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DIE GEBURT EINER NATION nun in Farbe erhältlich

D.W. Griffiths umstrittenes Meisterwerk Die Geburt einer Nation (The Birthof A Nation – 1915) ist vor kurzem in einer kolorierten Version veröffentlicht worden. Die DVD, “The BirthOf A Nation: The Colorized Version,” gibt es bei Createspace.com, einer Tochtergesellschaft von Amazon.

Es wird dort ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Änderungen ohne Beteiligung jedweder Mitglieder des Produktionsteams – von denen auch niemand mehr leben dürfte – angefertigt wurden.

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DIE GEBURT EINER NATION überzeugt auch heute noch mit seinen technischen und narrativen Mitteln, doch wie schon zur Entstehungszeit bleibt die Darstellung farbiger Menschen sehr fragwürdig.

Der Titel des Films ist dieses Jahr wieder in aller Munde, da Regisseur und Schauspieler Nate Parker einen gleichnamigen Film veröffentlicht hat bzw. in Deutschland noch veröffentlichen wird, der als eine Art Gegenentwurf zu Griffiths teilweise rassistischem Film gesehen werden kann. Die Geschichte wird hier aus der Sicht eines Sklaven im Süden Amerikas erzählt.

 

Manuel Föhl

Bremen: Ausstellung und begleitendes Stummfilmprogramm im City 46

Von der Künstlerin Mary Reid Kelley gibt es seit 10. September 2016 und noch bis zum 19. Februar 2017 eine Ausstellung in der Kunsthalle Bremen mit einem vierteiligen Zyklus über Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg zu bestaunen. Sie mischt dabei die Aufnahmen, welche aus Zeichnungen oder Stop-Motion-Animationen bestehen und mit Gedichten kombiniert werden. Die Kunsthalle dazu: „Mit betont übersteigerter Künstlichkeit in Sprache und Bild untersucht Reid Kelley, wie radikal sich einschneidende historische Ereignisse in den Wandel von Identitäten, Geschlechterrollen, Verhalten, Sexualität und Sprache eingeschrieben haben.“

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Begleitend dazu wird es am jeweils letzten Samstag im Monat im September, Oktober und November und einer Vorstellung am 17. Dezember im City 46 eine Vorstellung eines ausgewählten Stummfilms geben. Die Filme sind wohl nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, aber Besucher der Ausstellung erhalten gegen Vorlage des Tickets bzw. eines Mitgliederausweises den ermäßigten Kinoeintritt und umgekehrt.

 

Weitere Informationen zu den Filmen gibt es auf der Homepage des Veranstalters:
http://www.city46.de/programm/september-2016-uebersicht/stummfilm.html

Manuel Föhl

„90 Jahre Science-Fiction“ – Caligari Wiesbaden zeigt neun bedeutende Genrevertreter

Vom 03. bis 31. Oktober wird im Wiesbadener Kino Caligari dem Science-Fiction-Genre eine Bühne geboten. Neun ausgewählte Filme, die vom ersten Film, Fritz Langs Stummfilm DIE FRAU IM MOND (1929), bis zu Andrzej Zulawskis DER SILBERNE PLANET (Na srebrnymglobie – 1988) aus Polen reichen. Kuratiert wurde die Reihe von Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger. Die 90 Jahre sind dabei nicht zufällig ausgewählt, feiert das Wiesbadener Kino selbst doch dieses Jahr am 21. Dezember seinen 90. Geburtstag.

 

fim1Das komplette Programm:

 

Die Frau im Mond                                             03.10.2016           19:00

Alarm im Weltall (Forbidden Planet)             06.10.2016           18:00

Die Dämonischen                                              10.10.2016           20:00

2001 – Odyssee (2001: A Space Odyssee)   14.10.2016           20:00

Solaris                                                                  17.10.2016           20:00

Der silberne Planet (Na srebrnymglobie)       21.10.2016           20:00

Brazil                                                                    24.10.2016           20:00

Terminator (The Terminator)                          28.10.2016           20:00

Matrix                                                                  31.10.2016           20:00

 

Manuel Föhl

Universals Monsterverse: Dracula doch dabei?

Wir berichteten schon oft in den letzten Monaten über Universals Pläne, seine alten Horrorikonen wieder auf die Leinwand zu bringen – typisch für die heutige Zeit in einem gemeinsamen ‚Cinematic Universe‘, wo die Einzelfilme in derselben Welt spielen und sich möglicherweise auch überschneiden. Dieses Konzept adaptiert man nicht nur von aktuellen Erfolgen der Marvel-Comicverfilmungen, sondern es war auch schon bei den Originalfilmen wie FRANKENSTEINS HAUS (House of Frankenstein – 1944) Thema.

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Der Film DRACULA UNTOLD (2014), eine Art Prequel der Dracula-Geschichte, galt ursprünglich als Startschuss zu dieser neuen Monster-Franchise von Universal, doch das enttäuschende Ergebnis an den Kinokassen führte wohl dazu, dass man den Film eher außen vor lässt.
Luke Evans, der im Film die titelgebende Rolle innehatte, gab nun in einem Interview zu verstehen, dass seine Beteiligung aber noch nicht vom Tisch sei:

“There have been talks and conversations. I think the bigger picture is exciting for all the monsters that they own. There is talk about it. I just don’t know how it will all manifest itself. I think it will happen and I think they’re just working out how these monsters interact and how they end up in the same realm with eachother. If they can stick Captain America in a scene with Iron Man and Thor, I think you can definitely put Wolf Man, the Invisible Man, The Mummy and Dracula in the same film aswell.”

Manuel Föhl

Komplettboxen von FRANKENSTEIN und DER WOLFSMENSCH in Amerika erschienen

Vor kurzem veröffentlichte Universal in den USA jeweils eine Komplettbox für ihre ikonischen Figuren Frankenstein und Wolfsmensch. Auf insgesamt je acht Discs findet man alle Filme, in denen die Figuren mitgespielt haben. Beim Kauf beider Boxen hat man somit den Fall, dass man Filme wie FRANKENSTEIN TRIFFT DEN WOLFSMENSCHEN (Frankenstein meets the Wolf Man – 1943) oder FRANKENSTEINS HAUS (House of Frankenstein – 1944) doppelt besitzen wird.

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Für deutsche Fans gibt es hierzu eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass laut bisheriger Informationen die Blu-rays codefrei sind, also auch problemlos auf Blu-ray-Playern hierzulande abspielbar sind. Die schlechte für Fans der Synchronisation, dass man weniger überraschend natürlich jeweils nur die Originalspur der Filme auf den Scheiben findet.
Ob eine ähnliche Veröffentlichung der Filme auch hierzulande geplant wird, ist bisher nicht bekannt. Ein Vorbild könnte die Veröffentlichung von DER UNSICHTBARE sein, die vor kurzem von Turbine Media alle sechs Filme in Deutschland in einer Box mit ausführlichem Booklet ihren Fans bescherte.

Manuel Föhl

ZWÖLF UHR MITTAGS bekommt ein Remake

Während aktuell DIE GLORREICHEN SIEBEN (The Magnificent Seven – 1960) ihre Rückkehr ins Kino feiern, soll auch ein weiterer Western-Klassiker auf die große Leinwand zurückkehren: ZWÖLF UHR MITTAGS (High Noon – 1952). Anders als das Original soll der Film aber in der Jetztzeit angesiedelt sein und das Szenario an einer von Kartellen kontrollierten Grenze zwischen Mexiko und den USA ausspielen:

Es ist der Tag seiner Hochzeit, an dem sich Sheriff Kane entscheiden muss, ob er sich der Rache des gefürchteten Mörders Miller stellen soll oder dem Bitten seiner jungen Frau Amy nachgeben und die Stadt verlassen soll.

Das damalige Original wurde von Fred Zinnemann inszeniert und konnte vor der Kamera unter anderem schauspielerische Schwergewichte wie Gary Cooper, Gene Kelly, Lon Chaney jr. und Lloyd Bridges versammeln. Ein besonderer Clou des Films war, dass er in Echtzeit erzählt wurde. Der Stellenwert des Films ist bis heute ungebrochen. Vom American Film Institute wurde das Werk 2007 auf Platz 27 der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten gesetzt.

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Ob dem ein Remake gerecht werden kann? Mit der Veränderung des Grundszenarios entfernt man sich zumindest schon deutlich vom Original. Es bleibt abzuwarten, inwiefern man sich bei der Figurenzeichnung am Original orientieren wird und ob die Erzählung wieder in Echtzeit stattfinden wird.

Manuel Föhl

DER MÜDE TOD auf Blu-ray erschienen

Während in Deutschland Fritz Langs DER MÜDE TOD (1921) nur auf DVD erschienen ist – wir hatten diese DVD in Ausgabe #14 ausführlich vorgestellt – hat man dem Werk nun im amerikanischen Ausland eine Blu-ray spendiert.

 

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Unter dem englischen Titel „Destiny“ wurde der Film dort vom Label ‚Kino Lorber‘ hochauflösend in den Handel gebracht. Die Zwischentitel wurden hierbei auf Deutsch belassen, was nicht immer so gehandhabt wird. Der Haken an der Veröffentlichung ist, dass die Disc US-üblich mit Ländercode A versehen ist. Für den europäischen Markt und für europäische Player sind in der Regel nur Blu-rays mit Ländercode B abspielbar.

Für den deutschen Zuschauer gleicht es eher einer Farce, dass ein deutscher Film, der mit Fördermitteln von hier restauriert wurde, hierzulande nur auf DVD erscheint. Abhilfe könnte aber die Ankündigung seitens des englischen Labels Eureka Entertainment schaffen, die angekündigt haben den Film als Teil ihrer Masters-of-Cinema-Reihe zu veröffentlichen. Wann und wie genau steht aber noch nicht fest.

 

Manuel Föhl

Retrospektive der Nordischen Filmtage begibt sich dieses Jahr in fremde Welten

Auch dieses Jahr bieten die Nordischen Filmtage in Lübeck, vom 02. bis 06. November, neben ihrem abwechslungsreichen Hauptprogramm eine Retrospektive an. Diese läuft in diesem Jahr unter dem Titel „In fremden Welten – In Different Worlds“. Dabei sollen Filme aufgegriffen werden, in denen sich Skandinavier aufmachten, um fremde Länder zu entdecken und zu erkunden.

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So wird es als Stummfilmevent MIT SVEN HEDIN DURCH ASIENS WÜSTEN (1929) zu entdecken geben.

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In dem Film wurde der schwedische Forscher Sven Hedin 1927/28 von dem Kameramann Paul Lieberenz auf seiner Expedition durch Innerasien von Peking nach Urumtschi begleitet. Anlass der Expedition waren die Pläne von Lufthansa, eine direkte Fluglinie zwischen Berlin und Peking zu installieren. Deshalb mussten meteorologische Beobachtungen gemacht werden, Wetterstationen aufgebaut und das Gelände auf geeignete Flugplätze untersucht werden. Es sind aber weniger die Forschungen, die im Mittelpunkt des Filmberichts stehen, als vielmehr die vorwärtsziehende Karawane, die neben den insgesamt 27 Forscher aus nicht weniger als 300 Kamelen und zahlreichen Helfern bestand. Als Höhepunkt des Films gilt ein dramatischer Sandsturm.
Lotte Eisner meinte zu dem Film damals: „Dieser Expeditionsfilm mit Sven Hedin durch die Wüsten bedeutet mehr als eine Schau schöner Bilder. In der Wiedergabe des dokumentarischen Vorgangs ist er von der Spannung erfüllt, die nur Tatsachen geben können.“

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Ein weiterer Film der Retrospektive wird WINDJAMMER (1957/58) von Louis de Rochemont sein, ein Werk über eine Atlantikreise mit dem Segelschulschiff ‚Christian Radich‘. Des Weiteren werden auch aktuelle Dokumentationen aus den letzten Jahren gezeigt. Begleitend zur Retrospektive wird auch zum dritten Mal das »Lübeck Film Studies Colloquium« organisiert, das sich an (Film-)Wissenschaftler und Studenten richtet.

Manuel Föhl

Neues von den Universal Monstern: Mumie gesichtet und Frankensteins Monster gefunden

Bereits mehrmals haben wir nun über Universals Pläne berichtet, die hauseigenen bekannten Monster wieder auf die Leinwand zu bringen. Die diversen Projekte sind schon mehr oder weniger fortgeschritten. Im Dreh befindet sich bereits ein Remake zu DIE MUMIE (The Mummy – 1932), welches im Sommer 2017 in die Kinos kommen soll. Die größte Überraschung ist wohl hierbei, dass in die Fußstapfen von u.a. Boris Karloff und Arnold Vosloo mit Sofia Boutella eine Frau treten wird. Erste Bilder, wie sie als Mumie aussehen wird, sind nun vom Dreh in London aufgetaucht.

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Sofia Boutella als Mumie

Derweil konnte ein weiteres Monster gefunden werden und soll schon bald zu der mittlerweile namhaften Besetzung dazukommen: Der Spanier Javier Bardem steht in Verhandlungen, Frankensteins Monster zu spielen. Er war auch schon ursprünglich im Gespräch für die Rolle des Dr. Jekyll, die nun von Russel Crowe übernommen wurde und schon im kommenden DIE-MUMIE-Film auftauchen soll.

Manuel Föhl

SPEKTAKULÄRE ENTDECKUNG – Erster Gore-/Splatter-Effekt im Film?

Dieser Fund wird nicht nur Horror- und Splatterfilmfans überraschen, auch Filmhistoriker müssen ihre Analysen hinterfragen. Nimmt man es genau, müssten einige Wikipedia-Einträge, Artikel und Filmbücher neu geschrieben werden.

Jahrzehntelang war man sich unter Cineasten einig, dass ein paar Fakten der Filmgeschichte unumstritten fest stehen: Die erste Splatterszene in einem Film habe Luis Buñuel mit seinem Avantgarde-Film EIN ANDALUSISCHER HUND (1928) abgeliefert. Wir sehen ein Rasiermesser das einen Augapfel in der Mitte teilt – Augenflüssigkeit läuft aus. Ebenfalls unumstritten schien bisher, dass Herschell Gordon Lewis 1963 den Begriff des „Gorefilms“ definierte und mit BLOOD FEAST (1963) ein neues Subgenre des Horrorfilms schuf. Aber stimmt das wirklich? Oder zeugen diese seit Jahrzehnten wiederholten „Fakten“ nicht einfach nur von Unkenntnis der Filmgeschichte? Nun kann man niemandem vorwerfen, dass er nicht jeden Film der vergangenen 121 Jahre gesehen hat. Dass man aber mit Definitionen wie „der erste“ oder „zum ersten Mal“ vorsichtig umgehenmuss, zeigt folgender bemerkenswerter Fund unserer Redaktion.

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EIN ANDALUSISCHER HUND

Bereits 1918 – also 10 Jahre vor EIN ANDALUSISCHER HUND – sehen wir folgende Szene in einen Stummfilm (!): Ein Haus fällt unter dem Angriff deutscher Soldaten durch eine Granate in sich zusammen. Ein riesiger Steinbrocken des Hauses trifft den alten Hausherrn genau in der Mitte seines Körpers und spaltet ihn. Seine Tochter (Lillian Gish) findet den Vater, und der Zuschauer sieht, was sie sieht: Der Mann wurde genau an der Hüfte in zwei Teile getrennt. Wir sehen links im Bild seine Beine, in der Mitte den Felsbrocken und rechts seinen Oberkörper von unten (also seine Därme). Eine Szene, die dem aufmerksamen Horrorfan sofort bekannt vorkommt und die wir im modernen Splatterfilm seit Jahrzehnten immer wieder gezeigt bekommen. Nichts Neues also – aus heutiger Sicht. Aber vor 98 Jahren?! Wer hatte den Mut, die Gräuel des Krieges so plakativ und reißerisch zu zeigen? Es war kein Geringerer als David Wark Griffith in seinem Antikriegsdrama HEARTS OF THE WORLD (1918) – damals ein Blockbuster mit Staraufgebot.

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HEARTS OF THE WORLD

Im Grunde müsste man die Filmgeschichte neu bewerten und Buñuels EIN ANDALUSISCHER HUND in diesem Sinne durch Griffiths HEARTS OF THE WORLD ersetzen. HEARTS OF THE WORLD ist in seiner Gewaltdarstellung auch ansonsten nicht zimperlich. Spontan ist man geneigt, dem Film zu bescheinigen, der bis dahin brutalste Streifen der noch jungen Filmgeschichte zu sein, aber damit wollen wir in Zukunft vorsichtiger sein. Wer weiß schon, ob sich nicht ein noch derberer Schocker aus dem Jahr 1917 auffindet?

Jörg Mathieu

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