35 Millimeter

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Das Retro Film Magazin

Nachruf in eigener sache

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Unser Redaktionsgründungsmitglied Sabine Tews ist am 04.07.2016 nach kurzer, aber sehr schwerer Krankheit von uns gegangen.

Sabine wurde 1963 in St. Wendel geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war sie als Richterin am Landgericht, am Familiengericht und am Betreuungsgericht Saarbrücken eingesetzt. Die ihr anvertraute richterliche Gewalt hat sie behutsam und mit großem Pflichtbewusstsein gehandhabt. Dieses Pflichtbewusstsein zeichnete auch ihre Arbeit für das 35 Millimeter-Magazin aus, an dessen Erfolg sie zusammen mit dem Chefredakteur und der Autorin von Anfang an geglaubt hat.

Privat verband uns unsere Leidenschaft für den klassischen und den modernen Film. Ihre tatkräftige Unterstützung und ihr Engagement wird der Redaktion fehlen, mir persönlich zudem die Kinobesuche, die mit Sabine immer ein Erlebnis waren. Unvergessen bleiben auch die gemeinsamen Teestunden in der Baker Street.

Wir verlieren eine gute Redakteurin und einen besonderen Menschen, den wir vermissen werden.

Annette Gieseking

Neues von den Universal Monstern: Mumie gesichtet und Frankensteins Monster gefunden

Bereits mehrmals haben wir nun über Universals Pläne berichtet, die hauseigenen bekannten Monster wieder auf die Leinwand zu bringen. Die diversen Projekte sind schon mehr oder weniger fortgeschritten. Im Dreh befindet sich bereits ein Remake zu DIE MUMIE (The Mummy – 1932), welches im Sommer 2017 in die Kinos kommen soll. Die größte Überraschung ist wohl hierbei, dass in die Fußstapfen von u.a. Boris Karloff und Arnold Vosloo mit Sofia Boutella eine Frau treten wird. Erste Bilder, wie sie als Mumie aussehen wird, sind nun vom Dreh in London aufgetaucht.

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Sofia Boutella als Mumie

Derweil konnte ein weiteres Monster gefunden werden und soll schon bald zu der mittlerweile namhaften Besetzung dazukommen: Der Spanier Javier Bardem steht in Verhandlungen, Frankensteins Monster zu spielen. Er war auch schon ursprünglich im Gespräch für die Rolle des Dr. Jekyll, die nun von Russel Crowe übernommen wurde und schon im kommenden DIE-MUMIE-Film auftauchen soll.

Manuel Föhl

SPEKTAKULÄRE ENTDECKUNG – Erster Gore-/Splatter-Effekt im Film?

Dieser Fund wird nicht nur Horror- und Splatterfilmfans überraschen, auch Filmhistoriker müssen ihre Analysen hinterfragen. Nimmt man es genau, müssten einige Wikipedia-Einträge, Artikel und Filmbücher neu geschrieben werden.

Jahrzehntelang war man sich unter Cineasten einig, dass ein paar Fakten der Filmgeschichte unumstritten fest stehen: Die erste Splatterszene in einem Film habe Luis Buñuel mit seinem Avantgarde-Film EIN ANDALUSISCHER HUND (1928) abgeliefert. Wir sehen ein Rasiermesser das einen Augapfel in der Mitte teilt – Augenflüssigkeit läuft aus. Ebenfalls unumstritten schien bisher, dass Herschell Gordon Lewis 1963 den Begriff des „Gorefilms“ definierte und mit BLOOD FEAST (1963) ein neues Subgenre des Horrorfilms schuf. Aber stimmt das wirklich? Oder zeugen diese seit Jahrzehnten wiederholten „Fakten“ nicht einfach nur von Unkenntnis der Filmgeschichte? Nun kann man niemandem vorwerfen, dass er nicht jeden Film der vergangenen 121 Jahre gesehen hat. Dass man aber mit Definitionen wie „der erste“ oder „zum ersten Mal“ vorsichtig umgehenmuss, zeigt folgender bemerkenswerter Fund unserer Redaktion.

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EIN ANDALUSISCHER HUND

Bereits 1918 – also 10 Jahre vor EIN ANDALUSISCHER HUND – sehen wir folgende Szene in einen Stummfilm (!): Ein Haus fällt unter dem Angriff deutscher Soldaten durch eine Granate in sich zusammen. Ein riesiger Steinbrocken des Hauses trifft den alten Hausherrn genau in der Mitte seines Körpers und spaltet ihn. Seine Tochter (Lillian Gish) findet den Vater, und der Zuschauer sieht, was sie sieht: Der Mann wurde genau an der Hüfte in zwei Teile getrennt. Wir sehen links im Bild seine Beine, in der Mitte den Felsbrocken und rechts seinen Oberkörper von unten (also seine Därme). Eine Szene, die dem aufmerksamen Horrorfan sofort bekannt vorkommt und die wir im modernen Splatterfilm seit Jahrzehnten immer wieder gezeigt bekommen. Nichts Neues also – aus heutiger Sicht. Aber vor 98 Jahren?! Wer hatte den Mut, die Gräuel des Krieges so plakativ und reißerisch zu zeigen? Es war kein Geringerer als David Wark Griffith in seinem Antikriegsdrama HEARTS OF THE WORLD (1918) – damals ein Blockbuster mit Staraufgebot.

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HEARTS OF THE WORLD

Im Grunde müsste man die Filmgeschichte neu bewerten und Buñuels EIN ANDALUSISCHER HUND in diesem Sinne durch Griffiths HEARTS OF THE WORLD ersetzen. HEARTS OF THE WORLD ist in seiner Gewaltdarstellung auch ansonsten nicht zimperlich. Spontan ist man geneigt, dem Film zu bescheinigen, der bis dahin brutalste Streifen der noch jungen Filmgeschichte zu sein, aber damit wollen wir in Zukunft vorsichtiger sein. Wer weiß schon, ob sich nicht ein noch derberer Schocker aus dem Jahr 1917 auffindet?

Jörg Mathieu