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Das Retro Film Magazin

Tom Pittman – Der Mann im Schatten von James Dean

16. Januar 2015 | 1 Comment

An Tom Pittman werden sich heute nur noch die wenigsten Filmfans erinnern, in den 50er Jahren jedoch galt er nach dem Tode von James Dean manch einem als dessen potenzieller Nachfolger. Dean starb am 30. September 1955. Ein halbes Jahr später, am 20. April 1956, war Tom Pittman erstmals im Fernsehen zu sehen – in einer Episode der Serie SCIENCE FICTION THEATRE. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahren blieb Pittman vor der Kamera ausgesprochen aktiv, so dass er es auf sage und schreibe 40 Rollen innerhalb dieses Zeitfensters brachte.

 

Tom Pittman, geboren am 16. März 1932 in Phoenix (Arizona), war der Sohn des in Wien zur Welt gekommenen Schauspielers Frank Alten, James Dean sein großes Vorbild. Er wurde in Hollywood in ähnlichen Rollen wie Dean gesehen, wenn nicht sogar in dieses Image gedrängt. Wie Dean liebte auch Pittman schnelle Autos – sehr schnelle Autos. Wie Dean fuhr auch er einen Porsche Spyder. Wie Dean mochte auch Pittman Anzüge bzw. die geschniegelte High Society nicht. Er hatte Talent, konnte praktisch alles spielen: Vom aufbrausenden Jungspund, über den schüchternen Unerfahrenen bis hin zum verrückten, sadistischen, brutalen Soziopaten oder Gangster. Pittman war ein heranwachsender Star mit natürlich und authentisch wirkender Leinwandpersönlichkeit. Die Kritiker mochten ihn.

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Seine erste Kinorolle mit namentlicher Nennung ergatterte er in John Frankenheimers DAS NACKTE GESICHT (The Young Stranger – 1957), der im Frühjahr 1957 in den US-Kinos startete. Es folgten sieben weitere Kinofilme mit namentlicher Nennung, während er gleichzeitig in zahlreichen TV-Gastrollen immer wieder sein vielseitiges Können unter Beweis stellte. Er spielte an der Seite von Stars wie Alan Ladd, Lee Marvin, George Montgomery, Barry Sullivan und Robert Wagner. Schon im August 1957 war er in NO TIME TO BE YOUNG (1957) in einer recht großen Rolle auf der Leinwand zu sehen – als Co-Star von Robert Vaughn.

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Man kann nur spekulieren, wie berühmt Tom Pittman geworden wäre, hätte er länger gelebt, doch als sich am letzten Tage des Septembers 1958 James Deans Tod zum dritten Mal jährte, sollte es nur noch einen Monat dauern bis, am letzten Tage des Oktobers 1958, auch Tom Pittman verstarb. Mit gerade einmal 26 Jahren. Pittman besuchte am Abend des 31. Oktobers eine Halloween-Party von Norma Stuart, der Ex-Frau des Schauspielers Keefe Brasselle. Er soll im Laufe des Jahres durch Arbeiten für Fernsehen, Radio und Film bereits rund 60.000 Dollar verdient haben. An finanziellem Erfolg mangelte es nicht. Seine bisher wichtigsten Filmrollen waren gerade abgedreht: In HIGH SCHOOL BIG SHOT (1959) spielte er sogar erstmals die Hauptrolle und Samuel Fullers VERBOTEN! (1959) versprach, dem Regisseur sei Dank, ein Erfolg zu werden. Auch zwei TV-Nebenrollen warteten noch auf ihre Ausstrahlung. In sein Appartement jedoch kehrte Tom Pittman an diesem Halloween-Abend nicht mehr zurück. Für rund drei Wochen verlor sich seine Spur. Sein Vater gab eine Suchanzeige auf – da ihm die Vorliebe seines Sohnes für schnelle Autos und seine Bewunderung für James Dean bewusst waren, stand Schlimmes zu befürchten. Am 20. November 1958 berichteten schließlich mehrere Zeitungen übereinstimmend, dass Pittmans Leiche im Benedict Canyon bei Los Angeles gefunden worden war, wo sein Auto, nahe des Mulholland Drive, eine Absperrung durchbrochen hatte und rund 45 Meter tief gestürzt war. Im Film explodieren Autos in solchen Situationen häufig – technisch gesehen nicht zu erklären –, doch das echte Leben ließ ein Bild des Schreckens zurück.

 

No Time To Be Young

No Time To Be Young

Nach Tom Pittmans Tod, der wie vieles an ihm stark an James Dean erinnerte – nicht zuletzt da beide in einem Porsche Spyder durch überhöhte Geschwindigkeit zu Tode kamen –, keimten absehbare Gerüchte auf. Es wurde gemutmaßt, er habe Selbstmord begangen. Angeblich, da er die Vergleiche mit James Dean – entgegen der These, dass Dean sein Idol war – als große Belastung empfand. Auch der Vermutung schweren Drogenkonsums wurde nachgegangen, wofür sich jedoch, selbst bei der Befragung ihm nahestehender Menschen, keine stichfeste Bestätigung fand.

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Samuel Fuller sprach nach Tom Pittmans Tod vom Verlust eines großen Talents. Ihr gemeinsamer Film VERBOTEN! wurde 1959 ein Erfolg bei der Kritik.

 

Ansgar Skulme

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